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Wilhelm Merton in seiner Stadt

Kabinettausstellung "Metall & Gesellschaft – Wilhelm Merton" 16. Mai 2023 bis 07. Januar 2024 im Jüdischen Museum Frankfurt

12. Mai 2023: Am 14. Mai jährt sich der Geburtstag Wilhelm Mertons zum 175. Mal. Aus diesem Anlass präsentiert das Jüdische Museum Frankfurt die Kabinettausstellung „Metall & Gesellschaft – Wilhelm Merton“, die das Leben und Wirken des Frankfurter Großindustriellen, Sozialreformers und Mäzens beleuchtet.

Vor allem zwei Aspekte stehen dabei im Vordergrund: Zum einen, dass Wilhelm Merton ein Pionier in dem Bereich war, den wir heute unter dem Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) subsumieren und damit der sozialen Unternehmensverantwortung einen zukunftsweisenden Weg bahnte. Zum anderen die Wirkung, welche Merton mit seinem mäzenatischen wie sozialem Engagement auf die Entwicklung der Stadt Frankfurt, insbesondere auf das Bildungswesen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt, hatte.

Die Ausstellung stellt das Wirken Wilhelm Mertons in mehreren Kapiteln vor. Sie skizziert die Unternehmensgeschichte der Metallgesellschaft, an deren Namen sich auch der Ausstellungstitel anlehnt, stellt die sozialreformerischen Projekte Mertons vor, beleuchtet sein familiäres Umfeld wie auch seine Konversion zum Protestantismus und geht auf die Versuche der Nationalsozialisten ein, die Erinnerung an seine Person und sein Erbe zu zerstören.

Anlässlich der Ausstellung haben zwei Fotografinnen, Lena Bils und Johanna Schlegel, das Vermächtnis von Wilhelm Merton in Bildern eingefangen. Ihre Arbeiten thematisieren sowohl die Frage danach, wie das bildliche Gedächtnis einer Person verwahrt wird, wie auch die ökologischen Folgen des Abbaus von Metallen. Sie sind vom 21. Juli bis 27. August im basis e.v., Gutleutstraße 8–12, in einer ergänzenden Ausstellung zu sehen, die das Jüdische Museum in Kooperation mit der Fotoklasse von Professor Martin Liebscher von der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach präsentiert.

Die Architektur der Ausstellung „Metall & Gesellschaft“ im Lichtbau des Jüdischen Museums orientiert sich in ihrer Gestaltung an der kristallinen Struktur von Metallen. Für das Leben und Wirken Wilhelm Mertons zentrale Exponate werden im Original ausgestellt. Fotografien und Videoinstallationen ergänzen die Präsentation und beleuchten das Wirken Mertons unter aktuellen Fragestellungen. Einer der Höhepunkte der Ausstellung ist das großformatige Gemälde von Wilhelm Merton, das Mertons Ur-Enkel Andrew H. Merton dem Jüdischen Museum Frankfurt anlässlich der Ausstellung geschenkt hat.

Zur Eröffnung der Ausstellung reisen zahlreiche Mitglieder der erweiterten Familie Merton aus verschiedenen Teilen der Welt an. „Viele von ihnen sind zum ersten Mal in dieser historischen Stadt. Dies ist wohl das größte Treffen der Familie Merton in Frankfurt seit fast 100 Jahren“, freut sich Ur-Großneffe Oliver Merton.

Die Ausstellung wurde von Heike Drummer, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Zeitgeschichte im Jüdischen Museum Frankfurt, in Zusammenarbeit mit dem Historiker Fedor Besseler kuratiert. Als Berater fungierte der Historiker und ZDF-Redakteur Reinhard Oswalt, dessen Familie seit Generationen freundschaftliche Beziehungen zur Familie Merton pflegt.

Zur Biografie Wilhelm Mertons
Wilhelm Merton wurde im Jahr 1848 als Sohn jüdischer Eltern in Frankfurt geboren. Seine Bank-Ausbildung brach er ab, um bei seinem Bruder im Londoner Metallhandel zu arbeiten. 1877 heiratete er in Frankfurt Emma Ladenburg, mit der er fünf Kinder bekam.

Mertons unternehmerische Karriere begann 1881 mit der Gründung der Metallgesellschaft AG, die sich schnell zu einem internationalen Konzern für den Abbau und Handel mit Metallen – allen voran Kupfer, Blei und Zink – entwickelte. In den Jahren der elektrotechnischen Revolution und der rasanten Ausbreitung von Telefonie und Überland-Stromleitungen boomte das Geschäft. Wilhelm Merton führte Arbeitsplatzsicherheit, Gesundheitsvorsorge und Bildungsmöglichkeiten für die Mitarbeitenden ein. Durch seine sozialen Konzepte verwandelte er die Metallgesellschaft AG mit ihren vielen verschiedenen Standorten in eine modern strukturierte Industriegruppe. Merton setzte auch sein privates Vermögen zum Wohl der Arbeiter ein, baute soziale Institutionen und Bildungseinrichtungen auf und prägte mit seinem mäzenatischen Engagement die Entwicklung der Stadt Frankfurt im Kaiserreich. So gründete er beispielsweise 1890 das Institut für Gemeinwohl und 1899 die Centrale für private Fürsorge. Merton folgte damit dem jüdischen Gebot der Zedaka, der Wohltätigkeit. Dieses pflegte er auch nach seiner Konversion zum evangelisch-reformierten Bekenntnis im Jahr 1898. In seinem sozialreformerischen Wirken fand der Großunternehmer Unterstützung durch den Frankfurter Oberbürgermeister Franz Adickes oder den Mäzen Charles Hallgarten, sowie Vertreterinnen der Frauenbewegung wie Anna Edinger.

Bis zu seinem Tod 1916 gelangen Wilhelm Merton mehrere geschichtsträchtige Gründungen: die Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften (1901), die Berg- und Metallbank AG (1906) und – als Mitgründer – die Frankfurter Stiftungsuniversität (1914). Für letztere stellte er ein Stiftungskapital in Höhe von 2,3 Millionen Reichsmark zur Verfügung. Die Frankfurter Universität war die erste nichtstaatliche und somit unabhängige Hochschule des Kaiserreiches und zugleich die einzige Universität in Preußen, an der jüdische Wissenschaftler auf Lehrstühle berufen werden konnten. Es war Wilhelm Merton nicht mehr vergönnt, ihre Entwicklung in der Weimarer Republik zu erleben.








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  • Wilhelm Merton, Gemälde von Rudolf Gudden © JMF; Schenkung von Andrew H. Merton
    Wilhelm Merton, Gemälde von Rudolf Gudden © JMF; Schenkung von Andrew H. Merton
    Jüdisches Museum Frankfurt
  • Cover Wilhelm Merton in seiner Stadt, Christoph Sachße (Hg.), Jüdische Kultur und Zeitgeschichte
    Cover Wilhelm Merton in seiner Stadt, Christoph Sachße (Hg.), Jüdische Kultur und Zeitgeschichte
    Jüdisches Museum Frankfurt
  • Blick in die Ausstellung. Foto: Norbert Miguletz; Jüdisches Museum Frankfurt
    Blick in die Ausstellung. Foto: Norbert Miguletz; Jüdisches Museum Frankfurt
    Jüdisches Museum Frankfurt
  • Blick in die Ausstellung. Foto: Norbert Miguletz; Jüdisches Museum Frankfurt
    Blick in die Ausstellung. Foto: Norbert Miguletz; Jüdisches Museum Frankfurt
    Jüdisches Museum Frankfurt
  • Blick in die Ausstellung. Foto: Norbert Miguletz; Jüdisches Museum Frankfurt
    Blick in die Ausstellung. Foto: Norbert Miguletz; Jüdisches Museum Frankfurt
    Jüdisches Museum Frankfurt