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Die Ausstellun

Die Ausstellung Meisterwerke muhammedanischer Kunst von 1910

Die Ausstellun

Vor hundert Jahren fand in München eine Ausstellung statt, die als "die Kulturtat Münchens im Jahre 1910 schlechthin" galt. Die Organisatoren dieser Ausstellung traten mit dem Anspruch an, das gesamte Spektrum visueller Kultur der islamischen Welt zu würdigen. Mit etwa 3.600 Exponaten war die Schau im Ausstellungspark auf der Münchner Theresienhöhe mehr als reich bestückt.

Wafa Hourani Qalandia 2087 (2009) Mixed media installation in 6 parts 550 x 900 cm © images Nathalie Barki

Aus dem Titel "Meisterwerke muhammedanischer Kunst" sprach zwar der eurozentrische Blick von damals, doch bildete sich bei den Ausstellungsmachern gleichzeitig schon ein Bewusstsein für künstlerische Avantgarde heraus: Ihre Bilderwelt war nicht die akademische orientalistische Malerei, sondern die der Impressionisten, Postimpressionisten, Fauves und, nur wenig später, der Kubisten. So war es logisch, dass sich die Ausstellungsmacher von der damals üblichen, salonartigen Darstellungsweise der Exponate distanzierten. Durch eine bahnbrechend puristische Präsentation ergaben sich neue kunsthistorische Bezüge in erster Linie über eine Konzeption der Form. Die Präsentation zelebrierte die ausgestellten Gegenstände auch erstmalig als Meisterwerke, deren Herkunft und Chronologie man für den Katalog systematisch erfasste.

Insgesamt gelang es der Ausstellung von 1910, neue Maßstäbe für Rezeption und Erforschung islamischer Kunst im Westen zu setzen: Der dreibändige Katalog dient bis heute als Nachschlagewerk; zwei Besucher unter den vielen hunderttausend, nämlich Wassily Kandinsky und Franz Marc, waren von der islamischen Abstraktion nachweislich beeindruckt und nahmen sie als Richtwert.

Dreißig "müde" Objekte

Zum 100. Jahrestag dieser Ausstellung, und zum 200-jährigen Jubiläum des Oktoberfests, knüpft das Haus der Kunst an die Bestandsaufnahme von damals an. Ein Prolog versetzt den Besucher zunächst in den Sommer des Jahres 1910: Im ersten Raum ist die Ausstellung von damals durch ein Modell des Ausstellungsparks, Briefe von berühmten Besuchern, eine nach einem Exponat entstandene Skizze von Kandinsky, Kataloge, Installationsaufnahmen und Werbemittel (von der Postkarte bis zum Bierkrug) gegenwärtig.

Im zentralen Ausstellungssaal, der sich daran anschließt, werden von den damaligen Leihgaben etwa 30 Exponate erneut gezeigt: Teppiche, Vasen, Gebrauchsgegenstände wie Schalen, ein elfenbeinfarbenes Schreibgefäß, eine illuminierte Handschrift, eine Streitaxt, ein Bronzepferd und andere historische Objekte aus namhaften Sammlungen. Weil sie ihren hohen kunstgeschichtlichen Rang bis heute behauptet haben, sind sie in den vergangenen hundert Jahren entsprechend viel gereist, abgebildet und ausgestellt worden. Sie sind dadurch - wie die Kuratoren es einmal formuliert haben - "müde" geworden, und der Betrachter hält ihre Anwesenheit fast für selbstverständlich. Mit der erneuten Präsentation im Haus der Kunst ist daher der Wunsch nach einer Wiederbelebung dieser Ikonen verbunden. Der Architekt Samir el Kordy (geb. 1974 in Kairo) hat für diese Objekte nun mit von der Decke abgehängten, blickdurchlässigen Stoffbahnen eine textile Architektur geschaffen. In islamisch geprägten Ländern haben Stoffbahnen nicht nur ästhetische, sondern auch soziale und religiöse Konnotationen; sie bilden zeltähnliche Räume zum Wohnen, für Hochzeiten und Trauerfeiern, politische Versammlungen und andere Anlässe. Die Stoffbahnen, die Samir el Kordy für das Haus der Kunst entworfen hat, ergeben eine Anzahl von Einfassungen, von denen jede ein oder mehrere Objekte in sich aufnimmt. Zwischen diesen auf der Grundform von Dreiecken gebildeten Räumen verläuft ein Wegenetz. Wie im Jahr 1910 entfalten die einzelnen Exponate durch die Art der Präsentation neue Wirkung.

Exemplarisch sei von den 30 historischen Objekten die Innsbrucker Schale aus dem 12. Jh. hervorgehoben, deren Herkunft für die Forschung ein Rätsel ist. Auf der Schauseite dieser Schale ist die Himmelfahrt Alexanders des Großen dargestellt. Was auf den ersten Blick bescheiden anmutet, ist doch technisch und kompositorisch von so besonderer Qualität, dass die Schale nur als Produkt einer hoch entwickelten Werkstattproduktion gelten kann: kleinteilig bunter Zellenschmelz, mit ursprünglich vergoldeten Kupferstegen emailliert. In den damaligen Zentren islamischer Emailtechnik wurden allerdings keine vergleichbar komplexen und großformatigen Arbeiten in Zellenschmelztechnik auf Kupfer gefertigt. Ein persisches Schriftband auf der Außenseite ist nicht vollständig entziffert. Zudem sind beide Inschriften - auch die arabische auf der Innenseite - in Kalligrafie und Rechtschreibung nachlässig ausgeführt. All diese Auffälligkeiten weisen darauf hin, dass die Schale nicht zwingend ein Werk aus der Hand islamischer Künstler ist. Ihre nicht geklärte geografische Herkunft und die hohe Qualität ihrer Fertigung macht sie zu einem Solitär - zu einem einzigartigen Beispiel für mittelalterliche Emailkunst.

Moderne und Zeitgenossenschaft

Die historischen Objekte im zentralen Ausstellungssaal sind von Werken des 20. und frühen 21. Jahrhunderts umgeben, die Elemente der islamischen Kunsttradition wie Ornament und Kalligrafie bewahren: Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Schmuck von Saloua Raouda Choucair (geb. 1916 in Libanon), Monir Sharoudy Farmanfarmaian (geb. 1924 in Iran), Choreh Feyzdjou (1955-1996, Iran/Frankreich), Nassar Mansour (geb. 1967 in Jordanien), Mahmoud Said (1897-1964, Ägypten) und Ibrahim el Salahi (geb. 1930 in Sudan). Die Werkproben dieser Künstler stehen beispielhaft für unterschiedliche Entwürfe einer Moderne, die einzelne Elemente der westlichen Avantgarde integriert, ohne sie absolut zu setzen.








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