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Kunstbücher

Sammlung Giovanni Aldobrandini

Kunstbücher

Künstlerbücher als magische Orte der Sprache, der bildenden Kunst und der menschlichen Kommunikation stehen im Mittelpunkt der Ausstellung Zwischen den Seiten, die von 2. April bis 25. Mai 2014 im Winterpalais zu sehen ist. Kostbare und seltene Werke aus der Sammlung Giovanni Aldobrandinis, die erstmals in Österreich gezeigt werden, laden zu einem Streifzug durch die Geschichte des Künstlerbuchs im 19. und 20. Jahrhundert ein. Die Exponate stammen aus einer über Jahre von Giovanni Aldobrandini zusammengetragenen Privatsammlung. Mit großer Sorgfalt zeichnet die Sammlung den historischen Verlauf dieser oft wenig bekannten, aber wichtigen künstlerischen Ausdrucksform nach und fasziniert mit aufwändig gestalteten Büchern von William Blake, Francisco de Goya, Pierre Bonnard, Oskar Kokoschka, Paul Klee, Henri Matisse oder Pablo Picasso. Originallithografien und -stiche in limitierten, nummerierten Auflagen auf kostbarem Papier aus Japan und China anfangs auf losen Blättern, in weiterer Folge veredelt durch wertvolle Einbände zeigen einige der bedeutendsten Beispiele für Publikationen der wichtigsten künstlerischen Bewegungen dieser Kunstgattung.

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich ausgehend von der Künstlerstadt Paris und dank innovativ denkender Verleger und Kunsthändler wie Ambroise Vollard, E. Tériade und Iliazd der Gedanke, dass der bildnerische Teil auf einer Buchseite nicht nur als Unterstützung des Textes dienen, sondern autonom mit diesem in Dialog treten sollte. Malerei und Literatur galten als zwei komplementäre Mittel ein und desselben künstlerischen Ausdrucks. Maler, von Bonnard bis Picasso, von Matisse bis Maillol, die sich auch als Dichter und Schriftsteller betätigten und einander häufig kannten und in Kontakt standen, schufen die ersten bedeutenden illustrierten Bücher dieser Gattung. Die Ausstellung Zwischen den Seiten im Winterpalais zeichnet mit großer Sorgfalt den historischen Verlauf dieser künstlerischen Kreationen nach und fasziniert mit geschichtlichen Einblicken in die Kunstform Buch im Allgemeinen und interessanten Details zur Historie der Techniken Stich, Malerei, Grafik und Fotografie im Besonderen.

Künstlerbücher - Entstehung und Entwicklungv Das Künstlerbuch entstand in der Nachfolge der jahrhundertealten Tradition des illustrierten Buches. Von den Inkunabeln des 15. Jahrhunderts spannt sich der Bogen bis zu den Buchillustrationen des 19. Jahrhunderts, die Künstler wie Goya, Blake, Manet und Delacroix gestalteten. Später trugen Illustratoren von Art nouveau und Art déco zur Produktion edler, eleganter Bände bei.

Als Ausdrucksmittel der Avantgarden der Moderne wurde das Künstlerbuch im 19. und 20. Jahrhundert zu einem Ort des Experiments, wo sich Maler, Typografen, Dichter und Philosophen an neuen künstlerischen Formen des Lesens versuchten. Mit seinem zehn Doppelseiten umfassenden Langgedicht Le coup des dés setzte Stéphane Mallarmé ebenso einen Grund- und Meilenstein in dieser Kunstgattung wie der Begründer des Futurismus Filippo Tommaso Marinetti mit seinen typografischen Arbeiten. Frankreichs große Meister der Malerei wie z. B. Henri Matisse schufen die ersten Künstlerbücher in der Sprache der Maler.

In den 1920er-Jahren wurde von künstlerischen Strömungen, insbesondere jenen der Avantgarde wie den italienischen Futuristen, den russischen Konstruktivisten und Suprematisten, den Vertretern des Bauhaus, den deutschen Expressionisten und den Dadaisten, eine immer größere Anzahl von Büchern publiziert. Bücher wurden als Medien verstanden, die einerseits eine kommunikative Vernetzung der Künstler untereinander ermöglichten und andererseits Kunst einer breiten Öffentlichkeit näherbringen sollten. Daher lag das Hauptaugenmerk nicht darauf, besonders luxuriöse und teure Werke zu publizieren, sondern Bücher jeder Art wobei aber auch diese häufig Originalstiche enthielten und in limitierter Auflage erschienen.

Unter diesen Avantgardebewegungen war der Surrealismus jene künstlerische Strömung, die den Künstlerbüchern die größte Aufmerksamkeit schenkte und durch ästhetisch innovative Bücher und die Einbindung von Fotografen wie z. B. Man Ray unterschiedlichste Ausdrucksformen einsetzte. Diese Bücher wurden zur persönlichen Äußerung der Künstler selbst. Damit konnten sie ihr Gestaltungsspektrum immer wieder erweitern und neue Chiffrierungen festlegen. Maler, Schriftsteller und Regisseure wie Tristan Tzara, André Breton, René Char und Jean Cocteau entwickelten in persönlichen Treffen zahlreiche Buchprojekte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte sich das Zentrum der modernen Kunst nach Amerika. Wenngleich auch in Europa weiterhin Künstlerbücher veröffentlicht wurden, nahmen doch die neuen amerikanischen Kulturströmungen vom abstrakten Expressionismus bis hin zur Pop Art, von Alexander Calder und Ellsworth Kelly bis zu Jim Dine diese Kunstform in ihren Besitz.

In den 1960er-Jahren gaben Pop Art, Fluxus, Arte Povera, vor allem aber die Konzeptkunst dem Künstlerbuch einen neuen Schub. Der Ansatz von Fluxus mit der Utopie, eine Kunst für jedermann zu sein, zeigte, wie Druckerzeugnisse für eine schnelle Verbreitung von Ideen und Strategien eingesetzt werden konnten.

Publikationen von Künstlern wie z. B. Ed Ruscha heute als Book Arts bezeichnet wurden wegen ihres originellen redaktionellen Konzepts geschätzt und vom Künstler ohne Zwang seitens des Verlegers gestaltet. Oft wurden die Texte von den Künstlern selbst verfasst, andere Materialien als Papier eingesetzt (Objektbücher) oder fotografische Kompositionen zu Photobooks konzipiert.






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    PRINZ EUGEN VON SAVOYEN - 350 JAHRE
    Winterpalais
    Himmelpfortgasse 8, 1010 Wien
    18. Oktober 2013 bis 25. Mai 2014
    Täglich von 10 bis 18 Uhr



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  • Wassily Kandinsky, Franz Marc: Der Blaue Reiter  Piper Verlag, München 1912  (Illustration: Entwurf zu „Komposition Nr. 4“ von Wassily Kandinsky )  Courtesy Sammlung Giovanni Aldobrandini  Foto: © Belvedere, Wien
    Wassily Kandinsky, Franz Marc: Der Blaue Reiter Piper Verlag, München 1912 (Illustration: Entwurf zu „Komposition Nr. 4“ von Wassily Kandinsky ) Courtesy Sammlung Giovanni Aldobrandini Foto: © Belvedere, Wien
    Österreichische Galerie Belvedere
  • Wassily Kandinsky, Franz Marc: Der Blaue Reiter  Piper Verlag, München 1912  (Illustration: „Pferde“ nach Aquarell von Franz Marc)  Courtesy Sammlung Giovanni Aldobrandini  Foto: © Belvedere, Wien
    Wassily Kandinsky, Franz Marc: Der Blaue Reiter Piper Verlag, München 1912 (Illustration: „Pferde“ nach Aquarell von Franz Marc) Courtesy Sammlung Giovanni Aldobrandini Foto: © Belvedere, Wien
    Österreichische Galerie Belvedere
  • Carl Otto Czeschka - Franz Keim, Die Nibelungen. Dem deutschen Volke wiedererzählt von Franz Keim.  Gerlach, Wien und Leipzig, 1908  Courtesy Sammlung Giovanni Aldobrandini  Foto: © Belvedere, Wien
    Carl Otto Czeschka - Franz Keim, Die Nibelungen. Dem deutschen Volke wiedererzählt von Franz Keim. Gerlach, Wien und Leipzig, 1908 Courtesy Sammlung Giovanni Aldobrandini Foto: © Belvedere, Wien
    Österreichische Galerie Belvedere
  • Carl Otto Czeschka - Franz Keim, Die Nibelungen. Dem deutschen Volke wiedererzählt von Franz Keim.  Gerlach, Wien und Leipzig, 1908  Courtesy Sammlung Giovanni Aldobrandini  Foto: © Belvedere, Wien
    Carl Otto Czeschka - Franz Keim, Die Nibelungen. Dem deutschen Volke wiedererzählt von Franz Keim. Gerlach, Wien und Leipzig, 1908 Courtesy Sammlung Giovanni Aldobrandini Foto: © Belvedere, Wien
    Österreichische Galerie Belvedere
  • Wassily Kandinsky, Franz Marc: Der Blaue Reiter  Piper Verlag, München 1912  (Illustration: „Egyptische Schattenspielfigur“)  Courtesy Sammlung Giovanni Aldobrandini  Foto: © Belvedere, Wien
    Wassily Kandinsky, Franz Marc: Der Blaue Reiter Piper Verlag, München 1912 (Illustration: „Egyptische Schattenspielfigur“) Courtesy Sammlung Giovanni Aldobrandini Foto: © Belvedere, Wien
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