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IRONIMUS

Die Qual der Wahl

IRONIMUS

Das Karikaturmuseum Krems nimmt das Superwahljahr 2013 zum Anlass eine erlesene Auswahl der besten Karikaturen von 1949 bis heute des "Grand Seigneur“ der österreichischen Karikaturszene, IRONIMUS, zu präsentieren.

„Viel zu viele Menschen beschäftigen sich mit Politik und viel zu viele wollen von Politik gar nichts wissen.“ IRONIMUS

Der Karikaturist sieht sich als Beobachter und Kommentator des politischen Österreich, denn IRONIMUS kannte alle Politiker auch persönlich: von Julius Raab und Leopold Figl über Josef Klaus und Bruno Kreisky („Für den müsste man die Karikatur erfinden, gäbe es sie noch nicht“) bis zu Fred Sinowatz, Franz Vranitzky und Werner Faymann. In seiner langen Karriere hat er einen ganz typischen Stil entwickelt, der seine Einzigartigkeit ausmacht: Nie verlet- zend, nie hämisch, sondern fast liebevoll nähert er sich dem politischen Getriebe. Während dieser langen Schaffensperiode gab es keinen Politiker, der sich je beschwerte. Eine Ministerin tat es allerdings: Der Zeichner hatte ihr mehr Falten ins Gesicht geschrieben, als sie im Spiegel sah. Die Versöhnung erfolgte erst nach Jahren …

Die Ausstellung mit rund 50 Arbeiten bietet einen hervorragenden Überblick zur politischen Entwicklung in Österreich. Humorvolle Texte von Hans Werner Scheidl bieten zeithistorische Erklärungen zu unvergesslichen Szenen vergangener Wahlen, Wahlversprechen, politischen Persönlichkeiten und ihren Wahlpannen. Hauptakteure sind natürlich seit mehr als 60 Jahren der behäbige ÖVP-Anhänger im Steireranzug und sein Widerpart, der hagere „Sozi“ mit dem Kapperl und den drei Pfeilen. Eine unvergleichliche Zeitreise durch die „Qualen“ der öster- reichischen Wahlen und Politikgeschichte – eine sehr spannende und heitere obendrein.

In der Neujahrsnummer 1955 der Presse lieh IRONIMUS den Hoffnungen der Österreicher seine Zeichenfeder. Er skizzierte Bundeskanzler Julius Raab mit dem österreichischen Staatsvertrag auf dem Kopfpolster. Der Wunsch sollte noch im gleichen Jahr in Erfüllung gehen. Der Jubel war groß an diesem Tag der Befreiung, dem 15. Mai 1955. Die alterprobte Koalition aus Volkspartei und Sozialisten hatte die vorangegangenen zehn Jahre unter schwersten Bedingungen überstanden – jetzt konnte man sich zunächst einmal zufrieden zurücklehnen und die Früchte der zweimal errungenen Freiheit genießen.

Die Agrarier waren – samt Familien – noch eine sehr starke Berufsgruppe und sie „gehörten“ zur Volkspartei. Die Grundstoffindustrie wiederum war und blieb eine Domäne der Sozia- listen, sodass IRONIMUS eine simple Typologie einführen konnte: Der dickliche Österreicher in Tracht stand für die ÖVP, der hagere Typ mit Schirmkappe für die Sozialisten. 79 zu 78 stand das „Match“ nach Abgeordnetensitzen ab den Wahlen 1959, 1962 verbesserte sich die Volkspartei auf den Stand 81 zu 76. Sie forderte ein Ministerium zusätzlich, die SPÖ lehnte ab. „Das Außenministerium hängt nicht auf dem Christbaum“, formulierte ÖGB-Chef Franz Olah bei den Regierungsverhandlungen – und er rettete so Bruno Kreisky das Außenminister-Portefeuille. Mag sein, dass die österreichische Geschichte ganz anders verlaufen wäre, hätte damals Kreisky in der Versenkung verschwinden müssen.

„Der Kreisky war ja nicht nur der Journalistenkanzler, sondern auch der Karikaturisten- kanzler. Er ist in allen europäischen Zeitschriften als Karikatur vorgekommen.“ IRONIMUS

Olah sorgte aber auch für die größte Krise seiner Partei. Er versuchte den Ausbruch aus dem Korsett der Koalition, in der stets die Volkspartei die erste Geige spielte. Mit einer Starthilfe für die Neue Kronen Zeitung, ersten Flirts mit Amtsträgern der katholischen Kirche, einer Subvention an die FPÖ. Und er wusste als Innenminister alles über seine innerparteilichen Feinde. So wurde er gestürzt.

Doch bereinigt war gar nichts. Der Salzburger ÖVP-Politiker Josef Klaus kam 1964 statt Alfons Gorbach auf den Ballhausplatz. Klaus war eine harte Nuss für seinen Koalitions- zwilling, den SPÖ-Vorsitzenden und Vizekanzler Bruno Pittermann. Eigentlich bedurfte es nur noch eines Vorwandes, um 1966 Neuwahlen herbeizuführen und die SPÖ auf dem falschen Fuß zu erwischen. Ein Volksbegehren der Zeitungen gegen den unerträglichen ORF-Proporz war Wind unter den Flügeln der ÖVP. Ja, und schließlich war der Tag der Trennung gekommen. Es scheiterte an läppischen 400 Millionen Schilling für das SP-dominierte Verkehrsministerium. Neuwahlen waren die logische Folge.

Die Volkspartei erlebte am 6. März 1966 einen Siegestaumel ohnegleichen. Mit 83 Mandaten hatte man in den kühnsten Träumen gerechnet – es wurden 85. Die SPÖ kam auf 74, die FPÖ auf sechs. Eine Ära war zu Ende. Eine neue begann. Zunächst eine ÖVP-Alleinregierung, dann ab 1970 eine sozialistische Alleinregierung, die berühmte „Ära Kreisky“. Erst 1983 ging sie zu Ende, die nachfolgende SPÖ-FPÖ-Koalition hielt nur drei Jahre durch, dann rückten „Schwarz“ und „Rot“ notgedrungen wieder zusammen. Die alte Große Koalition regierte nun – außer von 2000 bis 2006 – wieder unangefochten. „Die Karikatur kann sichtbar machen. Frei nach Paul Klee: Die Zeichnung soll nicht das Gesehene wiedergeben, sondern sichtbar machen. Und das macht vor allem die Karikatur.“ IRONIMUS

Kurator: Gottfried Gusenbauer






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