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Fischer von Erlach und der Prunksaal des Kaisers. 300 Jahre barocke Pracht

Der Prunksaal im eindrucksvollen barocken Bibliotheksgebäude am Josefsplatz ist der historische Kern der Österreichischen Nationalbibliothek. Sein Schöpfer Johann Bernhard Fischer von Erlach verstarb vor 300 Jahren, 1723, dem Jahr des Baubeginns der kaiserlichen Bibliothek. Beide Jubiläen nimmt die Österreichische Nationalbibliothek nun zum Anlass, mit einer Schau im neu restaurierten Prunksaal an den berühmten Barockarchitekten und sein spätes Meisterwerk zu erinnern.

Die Sonderausstellung vom 12. Jänner bis 5. März 2023 spürt der Vor- und Entstehungsgeschichte dieses Gesamtkunstwerkes nach und gibt zum Teil durch noch nie zuvor in diesem Kontext ausgestellte Original-Handschriften, monumentale Stichwerke, Pläne und Skizzen Einblicke in den planerischen und gestalterischen Prozess – von der Intention Kaiser Leopolds I., eine Bibliothek zu errichten, bis zur Beauftragung eines kaiserlichen Repräsentationsbaus durch Kaiser Karl VI. Thematisiert wird in dieser Ausstellung auch die Rolle der Hofbibliothek als Teil eines „Kulturforums”, welches sie bis zur Gründung eigenständiger Museen repräsentierte. Im an den Prunksaal angrenzenden, so genannten Neuen Augustinergang waren das Naturalienkabinett, Vorläufer des Naturhistorischen Museums, mit Mineralien, Fossilien und Tierpräparaten sowie das Münz- und das Physikalische Kabinett beheimatet und so fungierten die Bücher des Prunksaals auch als theoretische Grundlage für Kunst und Wissenschaft.

Die Schau verfolgt darüber hinaus die weitere Geschichte des Prunksaals, der, durch bauliche Mängel bedroht, schon bald nach seiner Errichtung umfänglich saniert werden musste, und thematisiert das Schicksal bis ins 20. Jahrhundert: Katastrophen wie den Brand im Revolutionsjahr 1848, die Bombenangriffe des 2. Weltkrieges und den Hofburgbrand im Jahr 1992.

Von den Anfängen
Die Pläne, für die seit dem späten Mittelalter immer stärker anwachsenden Bestände der kaiserlichen Bibliothek auch ein adäquates Gebäude zu schaffen, gehen bis in die frühe Neuzeit zurück. Durch die institutionelle Festigung der Bibliothek, die Ausstattung mit Personal, die Entwicklung von Ideen für eine gezielte Erweiterung der Bestände und ihrer Benützung stellte sich die Raumfrage immer dringlicher. Provisorische Unterbringungen der Bücher im Minoritenkloster und im Bereich der Hofburg konnten in keiner Hinsicht diesen Ansprüchen genügen. Erst unter Kaiser Leopold I. (1640–1705) wurde in den 80er Jahren des 17. Jahrhunderts ein eigener Bibliotheksbau am heutigen Josefsplatz geplant und errichtet. Darstellungen aus der Zeit der Türkenbelagerung von 1683 lassen vermuten, dass die leopoldinische Errichtung ein einfaches Gebäude war, das auch angesichts der schwierigen politischen Lage seine ihm zugedachte Funktion nie erfüllen sollte. Die Lage der Bibliothek und die Doppelfunktion als Reitstall im Erdgeschoß und Büchersaal im Obergeschoß waren damit aber auch für den Nachfolgebau Fischer von Erlachs festgelegt.

Kaiserstil statt Zweckbau
Der Impuls für den vermutlich ab 1721 konzipierten Neubau ging von Kaiser Karl VI. (1685–1740) aus. Er war zu dieser Zeit bereits Auftraggeber von mehreren Prachtbauten wie der Karlskirche, den Hofstallungen und dem Reichskanzleitrakt. Kaiser Karl VI. nutzte den Prunksaal, um sich und seinen Ahnen ein wirkungsvolles Denkmal zu setzen und beauftragte den damals bereits berühmten Hofarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656–1723) mit dem Neubau. Trotz fehlender schriftlicher Belege ist ohne Zweifel von seiner Urheberschaft auszugehen, denn als Oberinspektor für die kaiserlichen Bauten war es kaum möglich, diese prestigeträchtige Bibliothek im Herzen der Hofburg ohne sein Zutun auszuführen.

  Das ihm zugeschriebene Konzept zeigt eine radikale Abkehr von dem unter Kaiser Leopold I. errichteten Vorgängergebäudes. Es sah ein mit gewölbten Seitenflügeln versehenes und einer zentralen Kuppel bekröntes Prachtwerk vor. Architektonische Elemente, wie die den Raum gliedernden Säulenpaare, die auf die Devise des Erbauers („Mit Standhaftigkeit und Tapferkeit“) anspielen, sowie Statuen, Büsten und Wandmalereien sind die Medien, die für die Repräsentation genutzt wurden. Wie bei anderen Gebäuden des Johann Bernhard Fischer von Erlach wurde auch in diesem Fall sein Sohn Joseph Emanuel Fischer von Erlach (1693–1742) mit der Fortführung und Vollendung (1726) betraut. Sein gestalterischer Einfluss wird in erster Linie bei dem im Vergleich zum Innenraum strenger gegliederten Außenbau gesehen.

Vollendung und Veränderung
Nach der baulichen Vollendung im Jahr 1726 wurde die Einrichtung und Ausstattung des Prunksaals sukzessive umgesetzt. Ein offizieller Eröffnungstermin der Bibliothek ist in zeitgenössischen Berichten nicht dokumentiert; Indizien weisen aber auf den Zeitraum um 1735, als der Bau, wie es in der Inschrift über dem Mittelportal festgehalten wird, dem öffentlichen Nutzen zugeführt werden konnte. Die Ausstattung der Bibliothek verbindet sich untrennbar mit der Architektur zu einem Gesamtkonzept, das für heutige BetrachterInnen in seiner thematischen Fülle und inhaltlichen Vielschichtigkeit kaum mehr nachvollziehbar scheint, da sich diese Inszenierungen eines elitären, gelehrten „Geheimwissens“ aus antiken mythologischen Bezügen und barocken Interpretationen bedienten.








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  • Plakat der Ausstellung „Fischer von Erlach und der Prunksaal des Kaisers“ – © Österreichische Nationalbibliothek
    Plakat der Ausstellung „Fischer von Erlach und der Prunksaal des Kaisers“ – © Österreichische Nationalbibliothek
    Österreichischen Nationalbibliothek
  • Barocke Prunkstiege und Eingang zum Prunksaal, Wien, 2016 – © Österreichische Nationalbibliothek/Johannes Hloch
    Barocke Prunkstiege und Eingang zum Prunksaal, Wien, 2016 – © Österreichische Nationalbibliothek/Johannes Hloch
    Österreichischen Nationalbibliothek
  • Der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek. © Österreichische Nationalbibliothek/Hloch
    Der Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek. © Österreichische Nationalbibliothek/Hloch
    Österreichischen Nationalbibliothek
  • Ansicht der Hofbibliothek nach Plänen von Joseph Emanuel Fischer von Erlach, lavierte Feder-Tusch-Zeichnung, 1733 – © Österreich
    Ansicht der Hofbibliothek nach Plänen von Joseph Emanuel Fischer von Erlach, lavierte Feder-Tusch-Zeichnung, 1733 – © Österreich
    Österreichischen Nationalbibliothek
  • Längsschnitt durch den Prunksaal (Hauptgeschoss), 1737 – © Österreichische Nationalbiblio
    Längsschnitt durch den Prunksaal (Hauptgeschoss), 1737 – © Österreichische Nationalbiblio
    Österreichischen Nationalbibliothek
  • Kuppelfresko von Daniel Gran, Schule von Athen: Nautik, Festungsarchitektur, Errichtung von Militärlagern und Musik, Kupferstich, Wien, ca. 1737 – © Österreichische Nationalbibliothek
    Kuppelfresko von Daniel Gran, Schule von Athen: Nautik, Festungsarchitektur, Errichtung von Militärlagern und Musik, Kupferstich, Wien, ca. 1737 – © Österreichische Nationalbibliothek
    Österreichischen Nationalbibliothek