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Jenny Saville in der National Portrait Gallery: „The Anatomy of Painting“ – Meisterin der figurativen Kunst im 21. Jahrhundert

Jenny Saville: Die Anatomie der Malerei – Eine Retrospektive in der National Portrait Gallery

„Ich begann, nicht nur über die Anatomie des Körpers nachzudenken, sondern über die Anatomie eines Gemäldes“ – mit diesen Worten fasst Jenny Saville die Essenz ihrer künstlerischen Entwicklung zusammen. Ihre Retrospektive „The Anatomy of Painting“ in der National Portrait Gallery in London sorgt derzeit für begeisterte Reaktionen und wird bereits als Meilenstein für die figurative Kunst des 21. Jahrhunderts gefeiert.

Saville beschrieb Farbe einst als „Dosen aus flüssigem Fleisch“, ein Gedanke, der an Willem de Koonings berühmten Ausspruch erinnert: „Fleisch war der Grund, warum Ölfarbe erfunden wurde.“ Zwischen 1950 und 1953 malte de Kooning seine Serie „the Women“ – wilde, fragmentierte Werke, die der Kunstkritiker Clement Greenberg als „wilde Zergliederungen“ bezeichnete.

Als Jenny Saville diese Gemälde 1991 sah, war sie tief beeindruckt von der Fähigkeit de Koonings, das Wesen der menschlichen Form in der Abstraktion einzufangen. Ein Jahr später entstand „Propped“, ein überlebensgroßer Akt, von unten gemalt, der die Proportionen des Körpers bis zur Abstraktion verzerrte. Marmorierte Haut, vibrierende Oberschenkel, schwere Brüste – ein schonungslos ehrlicher Blick auf den weiblichen Körper.

Entstanden im Geist des Third-Wave-Feminismus, verkörperte „Propped“ den Gedanken der Körperpositivität. Die Frau im Bild war Saville selbst, konfrontierend wie Bacon, selbstbewusst und brutal direkt. Über das Gemälde zieht sich ein Zitat aus Luce Irigarays feministischer Schrift „This Sex Which Is Not One“, das westliche Vorstellungen weiblicher Sexualität hinterfragt.

Als das Werk auf dem Titelblatt des Samstagsmagazins der Times erschien, wurde Charles Saatchi darauf aufmerksam. Der einflussreiche Sammler und Werbeguru beauftragte die 22-jährige Saville, eine Serie für seine Galerie in der Boundary Road in London zu schaffen – der Beginn einer steilen Karriere.

Heute ist „Propped“ Teil der Ausstellung „Jenny Saville: The Anatomy of Painting“, die 45 Gemälde und Kohlezeichnungen von den frühen 1990er-Jahren bis heute umfasst. Ziel ist es, Saville innerhalb der Geschichte der figurativen Malerei zu verorten – und zu zeigen, wie sie das Genre neu definiert hat.

Saville spricht offen über ihre Einflüsse: von der italienischen Renaissance über den Abstrakten Expressionismus bis zur Camden School. Besonders prägend war für sie eine Ausstellung von Lucian Freud im Jahr 1988 in der Hayward Gallery – ein Schlüsselerlebnis vor ihrem Studium an der Glasgow School of Art. Freud betrachtete Fleisch als Oberfläche, die durchdrungen werden müsse, um psychologische Wahrheiten freizulegen.

1994 beobachtete Saville eine Operation, bei der das Gesicht einer Frau gelöst und nach oben gezogen wurde. „Ich entdeckte, dass Chirurgen Fleisch im Körper verschieben, um ihn neu aufzubauen.“

Dieses Erlebnis führte zum Werk „Ruben’s Flap“ (1998–99), das sich auf eine Technik bezieht, bei der Fett aus dem Oberschenkel zur Brustrekonstruktion verwendet wird. „Wenn man sieht, wie ein Chirurg in Fleisch schneidet, erkennt man, wie schichtig es ist, wie verletzlich und durchdringbar,“ erklärt sie. „Ich begann, nicht nur über die Anatomie des Körpers nachzudenken, sondern über die Anatomie eines Gemäldes: die Schichtung, das Tempo und den Rhythmus der gemalten Oberfläche.“

Saville begreift Farbe wie Fleisch, das den Knochen umhüllt – formbar, lebendig, schier unendlich wandelbar. Sie collagiert Körper zu imposanten Gebirgen aus pastoser Materie, deren Kraft vom Bildträger gerade noch gezähmt wird.

„Von Fotografien zu malen gibt mir Zeit, über die Art nachzudenken, wie ich Farbe auftrage,“ erläutert sie. „Die Spuren, die Konsistenz der Farbe, die Töne. Es erlaubt mir, mit den Grundlagen der Malerei zu spielen.“

Ende der 1990er-Jahre entwickelte Saville eine neue Bildsprache, in der Körper ineinanderfließen, sich winden, überlagern – monumentale Fleischeslandschaften. In der Ausstellung „Territories“ (1999) in der Gagosian Gallery in New York zeigte sie Akte, die gedrängt im Bildraum liegen – überdimensionale, vernarbte, von der Natur gezeichnete Körper. Ihre Palette reichte von Weiß über kühles Blau bis zu erdigen Tönen – die Farben des Körpers als Landschaft.

Jenny Saville: The Anatomy of Painting ist ein Ereignis, das niemand versäumen sollte, der sich für die Zukunft der figurativen Kunst interessiert. Die Ausstellung läuft noch bis zum Herbst in der National Portrait Gallery London.

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  • Jenny Saville (b. 1970), Propped, 1992. © Jenny Saville, Courtesy Gagosian. Private Collection
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    Christie's London
  • Jenny Saville (b. 1970), Aleppo, 2017-18. Private Collection / National Galleries of Scotland. © Jenny Saville, courtesy NGS
    Jenny Saville (b. 1970), Aleppo, 2017-18. Private Collection / National Galleries of Scotland. © Jenny Saville, courtesy NGS
    Christie's London
  • Jenny Saville (b. 1970), Stare, 2004-05. The Board Art Foundation. © Jenny Saville, Courtesy Gagosian
    Jenny Saville (b. 1970), Stare, 2004-05. The Board Art Foundation. © Jenny Saville, Courtesy Gagosian
    Christie's London
  • Jenny Saville (b. 1970), Ruben’s Flap, 1998-99. The George Economou Collection. © Jenny Saville, Courtesy Gagosian. On view in Jenny Saville: The Anatomy of Painting at the National Portrait Gallery, London, until 7 September 2025
    Jenny Saville (b. 1970), Ruben’s Flap, 1998-99. The George Economou Collection. © Jenny Saville, Courtesy Gagosian. On view in Jenny Saville: The Anatomy of Painting at the National Portrait Gallery, London, until 7 September 2025
    Christie's London